Verpackungen: Die Natur als Vorbild

Aus Sicht der Verpackungstechnik ist die Banane das ideale, geradezu genial konstruierte Obst. Die Verpackung des weichen, schützenswerten Inhalts ist ausgesprochen stabil: Für die Reise von Südamerika nach Europa können die Bananen einfach in Kartons gepackt werden. In der Obstabteilung im Supermarkt brauchen sie keine Umverpackung, und auch als „Mitnahmeartikel“, zum Beispiel als Pausensnack, benötigen sie eine Umverpackung. Wenn die Banane gegessen werden soll, ist sie leicht zu öffnen, die Hände bleiben sauber, und nach dem Verzehr ist die Verpackung nachhaltig, weil vollständig kompostierbar.

Die Natur macht´s am besten

Wie genial dieses von der Natur „erfundene“ bzw. durch die Evolution entstandene Verpackungsprinzip wirklich ist, zeigt sich, wenn man es auf die industrielle Produktion überträgt. Wie wäre es, wenn mit dem Joghurt oder der Marmelade oder der Fertigpizza gleich die (natürlich biologisch abbaubare) Verpackung mitproduziert wird?

Zugegeben: Das würde die Verpackungsindustrie, wie wir sie kennen, drastisch verändern. Und: Realistisch ist diese Vision nicht. Die Verpackungs-Entwickler und auch die Konsumgüterhersteller werden aber in Zukunft gefordert sein, ihre Verpackungen noch besser an das individuelle Produkt anzupassen. Die Natur kann dabei Anregungen geben – nicht nur mit der Banane, sondern zum Beispiel auch mit dem Ahornsamen und der Auster.

Nicola Pavlovic

Marketing Project Manager, Easyfairs Deutschland GmbH, München

Zusatznutzen: Natürliche Verpackung mit Antrieb – und mit Kleber

Beim Ahornsamen hat die Natur eine Zusatzfunktion realisiert: Er ist nicht nur gut geschützt, sondern auch sehr beweglich. Wenn sich der Samen vom Baum ablöst, gerät er dank der beiden seitlichen „Flügel“ in eine Kreiselbewegung. Diese Bewegung – das haben Forscher erst kürzlich herausgefunden – erzeugt kleine Luftwirbel. Sie erhöhen die mögliche Flugstrecke, d.h. die Reichweite. Das ist gut für die Verbreitung der Gattung „Ahorn“. Und noch etwas: Für den Ahornsamen hat die Natur auch einen sehr effizienten und bio-kompatiblen Kleber erfunden. Deshalb können Kinder ihn sich auf die Nase kleben.

Gut geschützt

Auch die Nüsse – von der Hasel- bis zur Kokosnuss – sind ein gutes Beispiel für eine ebenso wirksame wie biologisch abbaubare „Verpackung“. Noch stabiler und ebenso klug konstruiert ist die Verpackung der Auster. Sie hat drei Schichten (eine davon elastisch, wegen der Bruchfestigkeit) und ein Scharnier, fast wie eine Box. Eine überzeugende Konstruktion! Die Abbaubarkeit ist eher langfristig zu sehen, aber immerhin schadet die Schale nicht der Umwelt, und das Perlmutt – das Material für die innerste der drei Schichten – ist nicht nur schön, sondern auch wertvoll.

Die wachsende Verpackung

Die Aufzählung ließe sich fortsetzen – zum Beispiel mit dem Hühnerei: eine ebenfalls gut angepasste Verpackung (sonst hätte sie sich nicht durchgesetzt), die sich sogar von innen öffnen lässt. Kluge Entwickler haben solche Ideen auf die industrielle Verpackung übertragen. Ein Beispiel: Das amerikanische Unternehmen Ecovative stellt Biomaterialien her, bei denen das Wachstum von Pilzen dafür sorgt, dass sich die Verpackung um das Produkt herum schmiegt – ähnlich wie Styropor, nur organisch und ohne Kunststoff.  

Plattform für Diskussion und Vision

Das ist vielleicht noch Zukuftsmusik. Der Industrie geht es aber um ernsthafte Auseinandersetzung mit machbaren Ideen für die Verpackung der nahen Zukunft – effizient, anwenderfreundlich, nachhaltig. Solche Ideen werden auf der EMPACK diskutiert. Pandemiebedingt musste die Messe – wie so viele andere auch – in diesem Jahr pausieren. Aber am 26. und 27. Januar 2022 finden EMPACK und Logistics & Distribution als Präsenzveranstaltung in Hamburg statt, und im Mai 2022 wie gewohnt in Dortmund: als Plattform für die Diskussion über die Verpackung der Zukunft und als der richtige Ort für innovative „Verpacker“, ihre Ideen und Visionen vorzustellen. 

 

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